Dieser Praxisbericht zeigt, wie eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus nach dem Totalausfall einer Ölheizung erfolgreich umgesetzt wurde.
Ausgangslage: Totalausfall der bestehenden Ölheizung
Die beiden Mehrfamilienhäuser wurden über viele Jahre hinweg von einer gemeinsamen Ölheizung versorgt. Dieses zentrale System hatte grundsätzlich zuverlässig funktioniert, war jedoch technisch überaltert und entsprach weder den heutigen Effizienzanforderungen noch den langfristigen energiepolitischen Zielsetzungen der Eigentümergemeinschaft. Steigende Energiepreise, zunehmender Wartungsaufwand sowie die absehbare Notwendigkeit einer umfassenden Erneuerung machten eine Entscheidung mittelfristig unumgänglich.
Die Ausgangslage verschärfte sich jedoch schlagartig durch ein unerwartetes Unglück: Durch einen Brand wurden die Heizungsgeräte im gemeinsamen Heizungsraum vollständig zerstört (Symbolbild). Ein regulärer Weiterbetrieb war nicht mehr möglich. Um die Wärme- und Warmwasserversorgung der beiden Gebäude kurzfristig sicherzustellen, musste eine Notheizung auf elektrischer Basis installiert werden. Diese Übergangslösung erfüllte zwar ihren Zweck, war jedoch mit sehr hohen Betriebskosten verbunden und stellte für die Eigentümer keine tragfähige Dauerlösung dar.
Mit nahezu 15 Parteien gestaltete sich der folgende Entscheidungsprozess entsprechend aufwändig. Unterschiedliche Interessen, finanzielle Rahmenbedingungen und individuelle Vorstellungen mussten berücksichtigt werden.

Entscheidungsfindung: Warum keine neue gemeinsame Heizung?
Im ersten Schritt wurden verschiedene Varianten geprüft. Darunter:
- Installation einer gemeinsamen Wärmepumpe mit Erdsonden
- Installation einer gemeinsamen Wärmepumpe mit Luft-Wasser
- Aufteilung in zwei separate Wärmepumpensysteme für jedes der beiden Gebäude
Nach intensiven Diskussionen und fachlicher Beratung kristallisierte sich ein entscheidender Punkt heraus:
Die Eigentümer wünschten keine gemeinsame Heizung mehr.
Die Gründe dafür waren vielfältig:
- Unabhängigkeit der Gebäude
Jedes Mehrfamilienhaus sollte technisch und organisatorisch eigenständig funktionieren – ohne Abhängigkeiten vom Nachbargebäude. - Klare Kosten- und Verantwortungszuordnung
Separate Anlagen ermöglichen eine transparente Kostenverteilung, vereinfachen Abrechnung und Wartung und reduzieren Konfliktpotenzial. - Flexibilität für die Zukunft
Unterschiedliche Sanierungszyklen, PV-Ausbaupläne oder Nutzungsänderungen lassen sich mit getrennten Systemen besser abbilden.
Nach Abwägung aller Aspekte fiel die Entscheidung zugunsten von zwei eigenständigen Luft-Wasser Wärmepumpen-Anlagen – jeweils exakt auf die Bedürfnisse des einzelnen Gebäudes ausgelegt.
Technisches Konzept: Massgeschneiderte Wärmepumpenlösungen
Statt einer Zentrallösung wurde für jedes Gebäude ein eigenes, modulares Wärmepumpenkonzept entwickelt:
- Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus A:
Installation von drei Buderus Kermi Wärmepumpen x-change dynamic pro mit je 20 kW Heizleistung in einer Kaskadenschaltung. Warmwasserproduktion durch eine der drei Wärmepumpen (umschaltbar). - Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus B:
Installation von zwei Buderus Kermi Wärmepumpen x-change dynamic pro mit je 20 kW Heizleistung in einer Kaskadenschaltung. Die bestehende eigenständige Warmwasserlösung wird weiterbetrieben. Die Anlage wird jedoch soweit vorbereitet, dass eine zukünftige Integration des Warmwassers in die Kaskadenlösung umgesetzt werden kann.
Diese Auslegung bietet mehrere entscheidende Vorteile:
- Hohe Betriebssicherheit:
Fällt eine Wärmepumpe aus, können die übrigen Geräte den Betrieb weiterhin sicherstellen. - Heizen und Warmwasserproduktion gleichzeitig
Dies erlaubt gerade bei diesem Radiatorensystem, dass während der Warmwasserproduktion, kein Heizunterbruch statt findet. - Optimierte Teillastfähigkeit:
Gerade im Übergangsbetrieb arbeiten mehrere kleinere Wärmepumpen deutlich effizienter als eine große Einheit. - Skalierbarkeit:
Das System lässt sich bei Bedarf später erweitern oder anpassen.
Die Wärmepumpen wurden so dimensioniert, dass sie den gesamten Heiz- und Warmwasserbedarf der jeweiligen Gebäude abdecken – auch bei tiefen Außentemperaturen.
Umsetzung unter Zeitdruck: Realisierung in nur sechs Wochen
Ein besonders bemerkenswerter Aspekt dieses Projekts war die kurze Realisierungsphase. Von der Demontage der alten Ölheizung bis zur vollständigen Inbetriebnahme der neuen Anlagen vergingen lediglich sechs Wochen.
Diese kurze Bauzeit war möglich durch:
- Sorgfältige Vorplanung
Alle technischen Details, Leitungsführungen und Aufstellorte wurden im Vorfeld exakt definiert. - Enge Abstimmung mit allen Beteiligten
Eigentümer, Verwaltung, Fachplaner und ausführende Firmen arbeiteten eng zusammen. Dank jahrelanger Zusammenarbeit unter den ausführenden Betrieben ist eine solche ambitionierte Realisierung möglich! - Modularer Aufbau der Systeme
Die Kaskadenlösung ermöglichte eine schnelle Installation und Inbetriebnahme. - Erfahrene Projektkoordination
Klare Zuständigkeiten und kurze Entscheidungswege reduzierten Verzögerungen.





Besonders wichtig war dabei die Minimierung von Einschränkungen für die Bewohner. Die Warmwasserversorgung konnte während der gesamten Bauphase sichergestellt werden – ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz des Projekts.
Erste Bewährungsprobe: Der Winterbetrieb im Januar
Die eigentliche Nagelprobe für jede Heizungsanlage ist der erste Winter – insbesondere bei einer vollständigen Umstellung auf Wärmepumpentechnik. Wir hatten nach kurzer Betriebszeit bereits eine ausgeprägte Kälteperiode im Januar.
Die Ergebnisse waren durchweg positiv:
- Stabile Raumtemperaturen in allen Wohneinheiten
- Zuverlässige Warmwasserbereitung, auch bei hoher gleichzeitiger Nutzung
- Nur ein kurzer Betriebsunterbruch durch eine defekte Sicherung (kein Wärmepumpen-Problem)
- Leiser Betrieb, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich
Gerade die Kaskadenschaltung bewährte sich im Echtbetrieb. Die Regelung passte die Leistung dynamisch an den tatsächlichen Bedarf an, wodurch die Wärmepumpen überwiegend im effizienten Leistungsbereich arbeiteten.
Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus – Effizienz und Energieverbrauch
Obwohl eine langfristige Bewertung erst nach mehreren Heizperioden möglich ist, liefern die ersten Daten bereits wertvolle Erkenntnisse der Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus. Die gemessenen Leistungszahlen während der Kälteperiode zeigen, dass die Anlagen deutlich effizienter arbeiten als viele Eigentümer ursprünglich erwartet hatten.
Insbesondere hervorzuheben sind:
- Gute Leistungszahlen auch bei tiefen Außentemperaturen
- Keine elektrische Zusatzheizung, selbst an sehr kalten Tagen
Anhand der folgenden Tabelle sind folgende Erkenntnisse abzulesen:
- sehr gute Aufteilung der Betriebsstunden auf die Wärmepumpen
- sehr gute Lastverteilung der benötigten Heizleistung auf die Wärmepumpen
- ein COP von 2.9 (im Monat Januar 2026) der die Erwartungen an den Baustandard des Gebäudes eher übertrifft

Fazit: Ein Projekt mit Signalwirkung
Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, dass der Umstieg von einer fossilen Gemeinschaftsheizung auf moderne Wärmepumpentechnik auch bei komplexen Eigentümerstrukturen erfolgreich umgesetzt werden kann – schnell, zuverlässig und wirtschaftlich.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren lassen sich klar benennen:
- Mut zur Abkehr von alten Strukturen
- Individuelle Lösungen statt pauschaler Konzepte
- Saubere Planung und klare Kommunikation
- Technisch durchdachte, modulare Systeme
Die positiven Erfahrungen aus dem ersten Winterbetrieb bestätigen die Entscheidung der Eigentümer und liefern wertvolle Referenzen für zukünftige Projekte im Mehrfamilienhausbereich.
Mit Blick auf steigende Anforderungen an Klimaschutz, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit wird deutlich:
Wärmepumpen sind längst nicht mehr nur eine Lösung für Einfamilienhäuser – sie sind auch im Mehrfamilienhaus eine überzeugende Option.